Was genau ist Kurzarbeit?

Aktualisiert: Apr 24

Kurzarbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Krisen- und Post-Krisen-Strategie. Kurzarbeitergeld ist eine Entgeltersatzleistung Für den Fall, dass durch eine Krise Einnahmen verloren gehen, stehen viele Unternehmer vor der Frage, wie sie in der Lage bleiben können, ihr eigenes Geschäft zu führen, keine Mitarbeiter zu verlieren und die Löhne zu zahlen. Damit sie ihren Angestellten nicht kündigen müssen, springt der Staat ein mit dem so genannten Kurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit zahlt.


Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld können alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erhalten. Ausgeschlossen sind Arbeitnehmer, denen bereits gekündigt wurde oder mit denen bereits ein Aufhebungsvertrag abgeschlossen wurde.


Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld berechnet sich nach dem Netto-Entgeltausfall. Beschäftigte in Kurzarbeit erhalten grundsätzlich 60 Prozent des pauschalierten Netto-Entgelts. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt des Beschäftigten, beträgt das Kurzarbeitergeld 67 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Netto-Entgelts. Die maximale gesetzliche Bezugdauer beträgt 12 Monate (§ 105 und § 106 SGB III).


UPDATE 24.04.2020:

Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, Verlängerung des Arbeitslosengeldes I (ALG I) und Zuschuss für Schüler-Computer

Die Regierungskoalition hat gestern weitere Maßnahmen beschlossen, um soziale und wirtschaftliche Folgen der Corona –Krise stemmen zu können.

Das Kurzarbeitergeld soll auf bis zu 80 Prozent und für Beschäftigte mit Kindern bis zu 87 Prozent angehoben werden. In den ersten drei Monaten der Kurzarbeit sollen die bisherigen Sätze gelten. Beschäftigte, deren Arbeitszeit um mindestens 50 Prozent reduziert ist, erhalten ab dem vierten Monat 70 bzw. 77 Prozent (Familien mit Kindern), ab dem siebten Monat 80 bzw. 87 Prozent des Lohnausfalls.

Damit man nicht in der Corona-Krise auf Hartz IV fällt, verlängert die Regierungskoalition außerdem die Bezugsdauer des ALG I um drei Monate für diejenigen, deren Anspruch auf ALG I zwischen dem 1. Mai und 31. Dezember 2020 enden würde.

Außerdem sollen bedürftige Schüler einen Technik-Zuschuss von 150 Euro für die Anschaffung von notwendigen Laptops, Tablets oder Computer erhalten.


Warum ist Kurzarbeit im Umgang mit einer Krise so effektiv?

Vorteile für Unternehmen und Firmen:

· Mitarbeiter-Know-how bleibt erhalten und steht sofort wieder zur Verfügung, sobald sich die Auftragslage bessert.

· Lohnkosten werden reduziert.

· Die Arbeitnehmer verlieren nicht ihre Arbeit und das Unternehmen wiederum hält hochqualifiziertes Personal in seinem Team.

· Später müssen sie nicht mehr viel Zeit und Ressourcen aufwenden, um neue Mitarbeiter zu finden.

Vorteile für Beschäftigte:

· Kurzarbeit sichert ihre Arbeitsplätze.

· Die Bundesagentur für Arbeit fördert in dieser Zeit .

· Beschäftigte können durch Weiterbildungsmaßnahmen während der Kurzarbeit wichtige Zusatzqualifikationen erwerben.

· Der Schutz der Sozialversicherung bleibt auf hohem Niveau erhalten.


Was zahlt der Arbeitgeber?

· Die Sozialversicherungsbeiträge für das Kurzarbeitergeld reduzieren sich auf 80 Prozent.

· Diese werden je zur Hälfte von der Agentur für Arbeit und dem Arbeitgeber getragen.

· Bei gleichzeitiger Qualifizierung übernimmt die Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld und die Sozialversicherungsbeiträge zu 100 Prozent.


Wann kann Kurzarbeitergeld beantragt werden?

Kurzarbeitergeld kann beantragt werden

· bei Arbeitsausfall, der wirtschaftlich negative Konsequenzen oder ein unabwendbares Ereignis nach sich zieht.

· wenn mindestens einem Drittel der Belegschaft ein Entgeltausfall von mehr als 10 Prozent droht oder der Betrieb nicht mehr im Stande ist, für mindestens einen Mitarbeiter das volle Gehalt zu zahlen. Dann ist bereits ein Entgeltausfall von mehr als 10 Prozent für diesen Mitarbeiter ausreichend.

· der Arbeitsausfall betrieblich untragbar ist, d. h. alle anderen Mittel zur Vermeidung des Arbeitsausfalls wie beispielsweise der Abbau von Arbeitszeitguthaben bereits ausgeschöpft sind.

· der Arbeitsausfall lediglich von kurzer Dauer ist. Es kann also damit gerechnet werden, dass in spätestens 18 Monaten eine Besserung der Lage erfolgt und anschließend wieder zur regulären wöchentlichen Arbeitszeit zurückgekehrt wird.

· der Arbeitsausfall der zuständigen Agentur für Arbeit angezeigt worden ist.


Muss auf das Kurzarbeitergeld Lohnsteuer gezahlt werden?

Nein. Es ist grundsätzlich steuerfrei. Ähnlich wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld oder sonstige vom Staat gewährte Leistungen muss für das Kurzarbeitergeld keine Einkommensteuer bezahlt werden.


Wann darf der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen?

Von der Kurzarbeit im Unternehmen kann die gesamte Belegschaft betroffen sein. Sie kann aber auch so geregelt werden, dass sie nur einen Teil der Mitarbeiter betrifft.

Existiert im Unternehmen ein Betriebsrat, muss dieser befragt werden, bevor Kurzarbeit angeordnet werden kann.


Wie lange wird das Kurzarbeitergeld gezahlt?

· Maximal zwölf Monate.

· Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) kann die Bezugsdauer durch Rechtsverordnung auf bis zu 24 Monate verlängern.

Viktoriia Kropyvko

Studentische Mitarbeiterin